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Bücher, Fussball: Mikis Wesensbitter: An der Mittellinie stehen die coolen Jungs

Foto: Jabs

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Ein Buch für Union-Fans, besonders für die, welche Anfang der Achtzigerjahre zu glühenden Anhängern von Eisern Union wurden.
Es erzählt viel von dieser Zeit in Ostberlin.
Das aber nicht nur über den Fußball in der Alten Försterei, viel mehr über die Befindlichkeiten der Jugend in Köpenick, Oberschöneweide, Johannisthal und sonst wo.
Auffällig ist, dass die Alltagssprache präzise auflebt. Wesensbitter führt den Leser sehr authentisch in diese Zeit zurück. Dabei wird das Thema erste Liebe, erster Kuss neben der Hauptsache Fußball, FCU detailliert auserzählt.
Mir ist das Ganze dann aber etwas zu ostalgisch. Ich erinnere mich nicht so romantisch an die Tage des Erwachsenwerdens in dem Staat DDR. (Und ein paar Schludrigkeiten die Rechtschreibung betreffend ärgern mich.)
Fangesänge in der AF:
“Minenfelder, Stacheldraht, 30 Meter im Quadrat. Jetzt wisst ihr, wo ich wohne, ich wohne in der Zone.
Doch einmal wird es anders sein, dann sperren wir die Bullen ein.”
“Wir holen alles ab, wir holen alles ab, zwei Punkte für die Reichshauptstadt.”
“Ra-Ra-Rasputin, Scheiß-Dynamo-Ostberlin.”
“Der Rudwaleit, der Rudwaleit, der macht für Geld die Beine breit.
Der Riediger, der Riediger, der ist ein Selbstbefriediger.”

Bücher, Fotografie: Hans-Christian Schink: “Hinterland”

Foto: Jabs

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Auf dieses Buch wurde ich durch eine wunderbare Ausstellung im Buchladen Fürstenwerder gestoßen. 
Und nun hat mir ein sehr guter Freund die Vorzugsausgabe (Buch mit C-Print, signiert, in Archivbox) geschenkt. Enttäuscht musste ich aber feststellen, dass der exklusive C-Print (Limited Edition 8/20) nicht mal die Druckqualität des Bildbands erreicht und rechtfertigt meiner Meinung nach den Verkaufspreis mitnichten. 
Aber dieses Buch aus dem Hause Hartmann Books ist auch hervorragend gedruckt. Auf den schönen Papieren Symbol Tatami White 135, Gmund Colors 100 sind subtile Farbabstufungen sichtbar. Hans-Christian Schink setzt nicht gerade spektakuläre Motive sehr bildwirksam in Szene.
 

 

Bücher, Fussball: Andreas Buck/Johannes Ehrmann: “Turbo” Mein Wettlauf mit dem Fußballgeschäft

Foto: Jabs

Foto: Jabs

Andreas Buck war Deutscher Fußballmeister und stand an der Schwelle zur Nationalmannschaft.
Er erlebte den Umbruch im Profifußball hautnah: Einführung der Champions League, explodierende Spielergehälter, Macht der Spielerberater, wahnwitzige Ablösesummen, neue Spielsysteme, Konzepttrainer  – der Sport kam in unvorstellbaren Dimensionen an, das Business erhielt ein neues Gesicht, es gibt Leute, die sprechen von einer Fratze.
Das Schicksal von Andreas Buck ähnelt dem vieler seiner Kollegen: Millionen verdient und wieder verloren. Private Krisen zwingen zum Umdenken.
Johannes Ehrmann beschreibt diese Lebensphase anschaulich und einfühlsam. Die beiden gewähren tiefe Einblicke in das Fußballgeschäft und geben auch Zahlen und Namen preis.
Ein Resümee, dessen wir Freunde dieses Sports uns stets bewusst sein sollten:
Gebt die Liebe zum Fußball auch an die Generation nach euch weiter, aber erklärt den Kindern, dass sie wahrscheinlich keine Profis werden können.

Bücher, Uckermark: In memoriam Dr. Eberhard Krienke

Jabs

Jabs

102-Krienke

 

Ich habe nachgelesen: 

Eberhard Krienke: 

Weisheit und Witz der Uckermärker

(Schibri-Verlag, Milow, 2005)

Und folgende Lebensweisheiten herausgeschrieben: 

“Wo ick mi anbeet, ward mi d’ Lohn nich good.

Wo ich mich anbiete, wird mein Lohn nicht gut. 

Wer um dich wirbt, zahlt höheren Lohn als der, dem du dich anbietest.

“Wat man am wietsten schmitt, mütt man am ersten söken.”

Was man am weitesten wirft, muss man zuerst suchen. 

Man sollte die schwierigsten Aufgaben zuerst lösen.

“Liggend Wulf löppt keen Schåp in ’n Hals.”

Einem liegenden Wolf läuft kein Schaf in den Hals. 

Ohne Fleiß kein Preis. 

“’Ne Fru kann mehr mit d’Schört ut d’Hus drågen as de Mann mit ’n Kastenwågen up ’n Hoff föhrt.” 

Eine Frau kann mehr in der Schürze aus dem Haus tragen, als der Mann mit dem Lastwagen auf den Hof fährt. 

Warnung vor leichtfertigen Frauen.

“Hett de Fru de Hosen an, is de Mann ’n Dummerjahn.” 

Hat die Frau die Hosen an, ist der mann ein Dummerjahn. 

Dominante Ehefrau macht den Gatten zum Trottel. 

“Dat is ’n schlechten Kåter, de bloot voer een Loch muust.” 

Das ist ein schlechter Kater, der nur vor einem Loch maust.

Spöttisches Urteil über einen „Schürzenjäger“.

“’N oll Fru un ’n oll Koh, de sind immer noch wat to; awer ’n oll Mann un ’n oll Perd, de sind nüscht wert.” 

Eine alte Frau und eine alte Kuh, die sind noch immer zu etwas zu gebrauchen; aber ein alter Mann und ein altes Pferd, die sind nichts wert. 

Eine alte Frau kann sich immer noch nützlich machen, die alte Kuh kann man schlachten; aber ein alter Mann kann nicht mehr arbeiten, und das Pferd kommt zum Schinder.

“De Pött, de knacken, hollen am längsten.” 

Die Töpfe, die knacken (gesprungen sind), halten am längsten. 

“De Koh melkt dörch den Hals.” 

Die Kuh melkt durch den Hals. 

Je mehr, je besser das Futter, umso mehr, umso fetthaltigere Milch kann ermolken werden.

“Klei Kinner peddeln de Öllern up d’ Teegen, groot Kinner up d’ Hart.” 

Kleine Kinder treten den Eltern auf die Zehen, große Kinder aufs Herz. 

“Wenn de Buer van gäben hört, is ’t gliek as wenn de Schlag em röhrt.” 

Wenn der Bauer vom Geben hört, ist es gleichsam, als ob der Schlag ihn rührt. 

“Wer de Ogen nich updeit, mütt ’n Büdel updoon.” 

Wer die Augen nicht aufmacht, muss den Beutel aufmachen. 

Überlege beim Einkauf.

“’N Schåp, dat bölkt, verleert ’n Happ.”

Ein Schaf, das blökt/schreit, verliert einen Bissen. 

Handeln statt Reden!

“In ’n Schnapsglas versupen mehr as in ’n See.” 

Im Schnapsglas ertrinken mehr als im See. 

“As de Kärl is, ward em de Wost brådt.” 

Wie der Mann ist, wird ihm die Wurst gebraten. 

Nach seinem Wesen, seiner Persönlichkeit, seinem Verhalten, richtet es sich, wie jemand behandelt wird.

“Wer mi voerher warnt, is mien Fründ, wer mi nåher warnt, hett’t mi günnt.” 

Wer mich vorher warnt, ist mein Freund, wer mich nachher warnt, hat es mir gegönnt.

“Een Hund alleen bitt sich nich.” 

Ein Hund alleine beißt sich nicht. 

Zum Streit gehören mindestens zwei.

“Je mehr man d’ Katt stråkt, je höger boert se ’n Schwanz.” 

Je mehr man die Katze streichelt, je höher hebt sie den Schwanz. 

Je mehr man jemanden lobt, umso mehr brüstet er sich. 

“Dree Ding plågen de Minschen alltied: Flöh, Fleegen un Nied.

Drei Dinge plagen die Menschen immer: Flöhe, Fliegen und Neid. 

“All Narren hebben ’n Afteeken.” 

Alle Narren haben ein Abzeichen. 

“Klooke Höhner schieten ook in ’n Nettel un verbrennen sich den Nårs/Mårs.” 

Kluge Hühner scheißen auch in den Nesseln und verbrennen sich das Hinterteil.

Kommentar, wenn einem „Schlauberger“ etwas missraten ist.

“Dat geiht keenen Nachtwächter bi Dåg wat an.” 

Das geht keinen Nachtwächter bei Tage was an. 

Das bleibt unter uns.

“Kast du wat, denn hest du wat – kast du nüscht, dann lehr di wat.” 

Kannst du was, dann hast du was – kannst du nichts, dann lerne was.

“Hägup hett wat, Frätup hett all sien Läben nüscht.” 

Hebauf hat was, Frissauf hat in seinem ganzen Leben nichts.

Wer spart, kommt zu Wohlstand, wer täglich auf großem Fuße lebt, kommt in seinem ganzen Leben zu nichts.

“Dat is ’n gooden Buck, de tweemål stött.” 

Das ist ein guter Bock, der zweimal stößt. 

Beharrlich sein, nicht aufgeben!

“Såll di de Hund nich bieten, müsst nich mit Steener nå em schmieten.” 

Soll dich der Hund nicht beißen, musst du nicht mit Steinen nach ihm werfen.

Sei vorsichtig im Umgang mit gefährlichen Zeitgenossen!

“Mit groote Herren is nich good Kespern äten; se spiegen di de Steener in d’ Ogen.” 

Mit großen Herren ist nicht gut Kirschen essen, sie speien dir die Steine in die Augen. 

Lass dich nicht mit Höhergestellten in Auseinandersetzungen ein. Du hast dabei Nachteile.

“Wenn eener up ’n Boom stiggt, hett he up d’ Erd nüscht verlårn.” 

Wenn einer auf einen Baum steigt, hat er auf der Erde nichts verloren. 

Wer Karriere macht, der macht sich mit Zurückgelassenen nicht gemein. 

“De kleinen Deef hängt man, un voer de grooten nimmt man d’ Mütz af.” 

Die kleinen Diebe hängt man, und vor den großen nimmt man die Mütze ab. 

“Gägen ’n Messhümpel kast nich anstinken.” 

Gegen einen Misthaufen kannst du nicht anstinken. 

Gegen eine Übermacht an Bosheit, Ungerechtigkeit ist ein Kampf aussichtslos. 

“Dat Perd, dat den Håber verdeent, kriggt em nich.” 

Das Pferd, das den Hafer verdient, bekommt ihn nicht. 

“Solange de Gierige läwt, hett de Bedreeger keen Not.” 

Solange der Gierige lebt, hat der Betrüger keine Not.

“Wenn ’t Kind vertrunken, ward de Pütten todeckt.” 

Wenn das Kind ertrunken ist, wird der Brunnen zugedeckt.