Nomadland

Foto: Jabs

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Man kann wieder ins Kino gehen!
Und ich stellte fatalerweise erneut fest, dass ich alt werde: Ich habe mir einen amerikanischen Film angesehen. (Und es keinesfalls bereut.)
Der mit hunderten Preisen überhäufte Streifen von Chloé Zhao aus dem Jahr 2020 ist ein beeindruckender Augenschmaus.
Es geht um das Leben auf der Straße im Südwesten der USA. Jenseits der Romantik der Hippies aus vergangener Zeit. Obwohl der Film der Schönheit der grandiosen Landschaft reichlich Tribut zollt.
Die Menschen reisen irgendeinem Job hinterher, um überleben zu können. Anrührende Szenen der Solidarität und auch Lebensfreude mindern den harten Alltag der Wohnungs- nicht Heimatlosen. Die Darsteller wissen, was sie da spielen, sind fast alle Laien und wurden vom Filmteam lange und sorgfältig ausgesucht. Die Gesichter sprechen Bände. Das Schicksal meint es nicht allzu gut mit ihnen. (Zitat: “Ich habe vielleicht zu viel Zeit mit Erinnern verbracht.”) Der Beobachter im bequemen Kinosessel wird aufgewühlt, wenn erzählt wird, dass es schon mal passende Stunden zum Sterben gab, sie aber verstrichen sind.
Oft musste ich heulen, aber gibt es einen passenderen Ort, um zu weinen als einen Kinosaal?
Überzeugend ist der Schlusssatz und der optimistische Blick nach vorn: “Man sieht sich.”